SH-Gen - Ein Entwicklungsprozess

Die Ergebnisse der bestehenden Polkörperdiagnostik mit Fluoreszenzmikroskopie (FISH) – häufig technisch unvollständig und fehlerbehaftet – bildeten für die Mediziner Dr. med. Martin Schorsch und Dr. med. Thomas Hahn den Ausgangspunkt, im Bereich der Kinderwunschbehandlung nach besseren Methoden zu suchen. In einer Kooperation mit Prof. Dr. med. Thomas Haaf am Institut für Humangenetik Mainz sollte die klinische Relevanz von FISH evaluiert werden. Mit einem vermuteten, dennoch problematischen Resultat: Es gab bessere Schwangerschaftsraten ohne FISH-Diagnostik als mit.

Die Ergebnisse dieser Evaluation sind in der Arbeit „Outcome of intracytoplasmic sperm injection with and without polar body diagnosis of oocytes“ zusammengefasst.

PDF-Download

2006 stieß Dr. med. Angelika Daser zu der Gruppe am Institut für Humangenetik und stellte eine neue Methode vor: Gemeinsam mit Dr. Paul H. Dear hatte die ausgewiesene Molekularbiologin am Laboratory of Molecular Biology in Cambridge die Methode des Molecular Copy-number Counting entwickelt. Publiziert wurde "Interrogation of genomes by molecular copy-number counting (MCC)" als Cover-Thema in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Nature Methods".

Durch das Zusammentreffen der Wissenschaftler und Ärzte entstand gemeinsam die Idee, eine neue Methode für die Polkörperdiagnostik zu entwickeln, indem Molecular Copy-number Counting für die Analyse von Einzelzellen, den Polkörpern, modifiziert werden sollte.

PDF-Download

Dieser Herausforderung stellte sich Frau Dr. Daser und wechselte zum Kinderwunschzentrum Wiesbaden. Nach intensiven Experimentalarbeiten – auch am Laboratory of Molecular Biology und wieder in enger Zusammenarbeit mit Dr. Paul Dear –gelang es ihr, ein neues Verfahren zu entwickeln, mit dem sich robust und einfach die regelrechte oder falsche Chromosomenverteilung in befruchteten Eizellen messen ließ. Daraufhin wurde 2010 von Dr. Schorsch und Dr. Hahn die SH-Gen Forschungsgesellschaft gegründet.

In den Anfängen unterstützte die Firma Merck das Forschungsprojekt. Nachdem es dem Team gelungen war, die Anwendbarkeit der Methode zu zeigen, erhielt es 2012 in Istanbul den internationalen Preis "Grant for Fertility Innovation", der jährlich von der Firma Merck verliehen wird.

Die Erfolgsgeschichte der SH-Gen mit MCC setzte sich fort: Seit 2014 ist MCC zunächst in der präklinischen und seit 2015 auch in der klinischen Anwendung. Die Nachfrage nach der Diagnostik steigt, und so zieht die Forschungsgesellschaft mit inzwischen vier Mitarbeiterinnen im Herbst 2015 in neue große Räume, die dem Unternehmen die nötigen Analysekapazitäten bieten, um den zahlreichen Anfragen gerecht zu werden.

Für alle wissenschaftlich Interessierten: Die Ergebnisse zur erfolgreichen Anwendung von MCC wurden veröffentlicht in dem Artikel "Auf der Suche nach der euploiden Eizelle – Aneuploidiescreening durch robuste Polkörperdiagnostik mit Molecular Copy-number Counting (MCC)".

PDF-Download